Erinnerungen

Kirmes in den 20er und 30er Jahren des 19. Jahrhunderts

(...) War die Kirmeß in der Stadt, so wurden in dem betreffenden Stadtteile Tannenbäume vor die Tür gepflanzt und mit seidenen Bändern und bunten Eiern in langen Ketten behängt, wozu wir das ganze Jahr hindurch ausgeblasene Eier sammelten.
Am Stamme des Baumes stand ein Tischchen, und Knaben und Mädchen tanzten im großen Kreis herum, ihre Lieder singend. Ein jedes Lied hatte seinen eigenen Tanz. Der Text war jedoch im Laufe der Zeit durch Kindermund verfälscht und schwer verständlich, aber doch kannten wir diese Lieder geläufiger als unseren Katechismus. Uns Jungen machte es eine besondere Freude, mit den Papierklatschen und Pritschen wie sie Harlekine haben, die Mädchen zu erschrecken.
Da jede der zehn Kirchen ihre eigene Kirchweihe hatte, so war an Kirmessen kein Mangel. Daß das Fest eigentlich ein Kirchfest sei, daran dachten wir nicht.

Sammlung Reinhard Laubsch, aus Martin Schmidt: “D. Carl Gottfried Pfannschmidt. Ein deutsches Künstlerleben” ak
Quelle: Thüringer Allgemeine Zeitung

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitungsgruppe Thüringen